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Die Kunstmetropole Dresden ist unter Sprachbarbaren gefallen

Von Josef Kraus
14. September 2021
„Das ist des Wahnsinns fette Beute!“
Diesen Ausruf kennen heute nur noch wenige. Wahrscheinlich unterliegt er ohnehin den Säuberungen einer „woken“, hypersensiblen Sprachpolizei. Denn „Wahnsinn“ (Paranoia) ist eine psychiatrische sehr ernste Erkrankung, die entsprechende Diagnose gilt als Diskriminierung von Menschen, die darunter leiden – oder sich dennoch gesund fühlen. „Fett“ geht ohnehin nicht, weil es eine Diskriminierung von „horizontal herausgeforderten Menschen“ ist. Und „Beute“ geht auch nicht, weil es eine gewaltsame Aneignung von etwas Fremdem ist.
Jetzt also wurde die berühmte Kultur- und Kunststadt Dresden des Wahnsinns fette Beute. Eine durchgeknallte Sprach-Polizei hat sich die dortigen Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) vorgenommen. 143 Kunstwerke beziehungsweise deren Titel wurden seit Anfang 2020 „auf rassistische oder anderweitig diskriminierende Begriffe oder Inhalte“ geprüft – und politisch korrekt umbenannt. Das geht aus einer Antwort des sächsischen Tourismusministerium auf eine Anfrage der sächsischen AfD-Landtagsfraktion hervor. Das zuständige und immerhin mit zwei CDU-Ministern bestückte Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus hat angeblich „eine solche Überprüfung weder veranlasst noch durchgeführt“. Also wieder mal ein vorauseilender Kotau vor einem um sich greifenden Kulturmarxismus!

Kunstwerke politisch korrekt umbenannt
Konkret zu Dredens Gallerien: Aus „Zwerg“ wurde „kleinwüchsiger Mann“ (in den USA heißt er seit längerem „vertically challenged“). Aus „Knabe“ wurde „Junge“. Warum, weiß keiner. Aus „Zigeunermadonna“ wurde „Madonna mit stehendem Kind“. Aus „indischen Eingeborenen“ wurden einfach nur „Menschen“, aus einer „Zigeunerin“ wurde eine „Frau mit Kopftuch“. Ob es sich dabei um eine Katholikin im Petersdom oder eine Muslimin handelt, spielt keine Rolle. Aus der „Schwarzafrikanerin mit Spiegel“, auch als „Schwarze Venus“ bekannt, machten die Sprachbarbaren eine „Afrikanerin mit Spiegel“. All dies ohne Rücksicht darauf, dass die Titel der Kunstwerke von ihren Schöpfern so benannt wurden oder die Namen vor Jahrhunderten anderweitig zustande kamen.
Was steckt dahinter? Ganz einfach, diese Geschichtsklitterung und Sprachbarbarei haben einen Hintergrund: Es stecken dahinter abgrundtiefe Bildungsdefizite – gepaart mit verbohrter Ideologie. Eine höchstgefährliche gefährliche Kombination, wie die Geschichte lehrt! Man fragt sich nur, wie Direktoren und Mitarbeiter solcher Kunsteinrichtungen
(pardon, korrekt muss es wohl heißen: Direktor_*/I:nnen und Mitarbeitende) in solche Positionen kommen konnten und warum die sächsische Landesregierung diesem seit 2020 währenden Treiben keinen Riegel vorschob.
Was ist das Nächste? Dass – wie in den USA schon geschehen – Museen geschlossen oder Bilder abgehängt werden, weil sich irgendjemand (m/w/d) durch das eine oder andere Bild „offended“ fühlt? Dass auf Bildern dargestellte Dunkelhäutige (people of color, POC) ein „white facing“ erfahren? Dass Statuen mit Nackten in Burkas verpackt werden –denn das wäre „sexual harassment“? Dass viele Bilder aus den Schulbüchern verschwinden?
All das sind keine Horrorvisionen. Dabei gibt es doch eine einfachere Lösung: Wir schließen solche Kunsteinrichtungen, sparen uns all die „woken“ Bediensteten und schicken sie zu deren gärtnerischer Pflege in die – statuenfreien – Dresdner Hofgärten. Vorausgesetzt, diese wurden zuvor entfeudalisiert und zu Erfindungen des Arbeiter- und Bauernstaates umbenannt. Womit wir wieder bei Paranoia wären.
Foto: IMAGO / Sylvio Dittrich

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