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DIE BESTMÖGLICHE UNTERSTÜTZUNG IN EINER SEELISCHEN KRISE – Bezirk Niederbayern erweitert psychiatrische Angebote

Bildtext (von links): Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Gisela Dregelyi und Stefan Eichmüller, Referat Gesundheitseinrichtungen Bezirk Niederbayern

 

 

Die bestmögliche Unterstützung in einer seelischen Krisensituation

Fachgespräch: Bezirk Niederbayern erweitert psychiatrische Angebote in der Fläche und baut einen Krisendienst auf

 

Eigentlich müsste Gisela Dregelyi schon länger nicht mehr arbeiten. Doch die pensionierte Lehrerin hat ein Anliegen, für das sie seit Jahren mit hohem Zeitaufwand und viel Herzblut kämpft: Sie will die Öffentlichkeit über psychische Erkrankungen besser aufklären und Vorurteile gegenüber Betroffenen ausräumen. Der Motor ist die Erkrankung des eigenen Sohnes. Die Niederbayerin: „Die meisten Menschen wissen viel zu wenig über Erkrankungen wie z. B. Psychosen und Depressionen. Und vor allem wissen sie auch nicht, wie man mit Betroffenen umgeht. Information tut also dringend not.“ Darum bemüht sie sich  beispielsweise im Rahmen von Schulveranstaltungen. Darüber hinaus engagiert sich Dregelyi dafür, dass Ratsuchende in akuten seelischen Krisensituationen  die bestmögliche Unterstützung bekommen. Mit dem Landesverband Bayern der Angehörigen psychisch Kranker e. V. im Rücken setzt sie sich vor allem in der Region Landshut für Betroffene und ihre Angehörigen ein. Mit Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Stefan Eichmüller, Leiter des Referats Gesundheitseinrichtungen beim Bezirk Niederbayern, erörterte Dregelyi jetzt diese und andere fachliche Themen.

Der Krisendienst für Niederbayern nimmt Konturen an

Dabei ging es auch um den niederbayernweiten psychiatrischen Krisendienst, der unter Federführung des Bezirks aktuell eingerichtet wird. Dessen Ziel ist es, Menschen in akuten psychischen Notlagen zu unterstützen – unter fachärztlich-psychiatrischer Leitung. Nach einem Beschluss des Bezirksausschusses vom September 2018 wird die Leitstelle am Bezirkskrankenhaus Landshut installiert.  Diese soll erster Ansprechpartner in einer Krisensituation sein. Laut Eichmüller haben Erfahrungen in anderen Regionen gezeigt, dass 80 bis 90 Prozent der Anrufer bereits telefonisch geholfen werden kann. Wenn es dennoch nötig sei, werden von dezentralen Standorten in Niederbayern aus Zweier-Teams von Fachkräften (Ärzte/Psychologen/Sozialpädagogen/Fachkrankenschwestern und Fachkrankenpfleger für Psychiatrie) den Anrufenden aufsuchen. Wichtig sei es aber auch, dass nach einem Krisengespräch bei Bedarf eine kompetente Vermittlung an ein weiterführendes Beratungs- oder Behandlungsangebot der Regelversorgung erfolge.

 

Heinrich: „Große Fortschritte bei der psychiatrischen Versorgung“

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich betonte, dass man bei der psychiatrischen Versorgung Niederbayerns in den vergangenen Jahren ein gutes Stück vorangekommen sei. Dazu gehöre nicht zuletzt auch die Einrichtung von Institutsambulanzen wie soeben erst in Pfarrkirchen im Landkreis Rottal-Inn in der Erwachsenenpsychiatrie. In Zwiesel und Waldkirchen plane man weitere Institutsambulanzen für die Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Bei der Regionalisierung der psychiatrischen Versorgungsangebote werde der Bezirk Niederbayern mit Blick auf den großen Bedarf weitere Schritte gehen und mittelfristig noch mehr Ambulanzen einrichten. „Die dezentrale Versorgung psychisch erkrankter Menschen zu verbessern, ist ein Ziel, das der Bezirk Niederbayern verfolgt und mit der Errichtung von sogenannten Ambulanzen für psychische Gesundheit konsequent umsetzt“, so der Bezirkstagspräsident. Derzeit gibt es Standorte in Mainkofen, Passau, Grafenau und Pfarrkirchen. Den Patienten der jeweiligen Regionen stehen ein komplexes psychiatrisches und psychotherapeutisches Behandlungsangebot zur Verfügung sowie multiprofessionelle Teams aus Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie, psychologischen Psychotherapeuten, Fachpflegekräften für Psychiatrie, Sozialpädagogen und medizinischen Fachangestellten. Heinrich: „Mit solchen wohnortnahen Angeboten wird die Versorgung betroffener Patienten erheblich verbessert.“

Heinrich unterstrich, dass der Austausch mit Vertretern der Angehörigen psychisch kranker Menschen von großer Bedeutung sei. Schließlich gehe es darum, unmittelbar zu erfahren, wo es Handlungsbedarf gebe. Gemeinsam mit dem bayerischen Landesverband ist Gisela Dregelyi  auch aktiv an der Vorbereitung einer Klinikvereinbarung beteiligt, die demnächst für die Bezirkskliniken geschlossen werden soll. Darin wird unter anderem die Einbindung der Angehörigen geregelt, etwa der Anspruch auf ein Erst- und Abschlussgespräch bei Aufnahme bzw. Entlassung eines Patienten.

 

– ch –

 

Foto: Bezirk Niederbayern/Bäter

 

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