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„DER DIESELANTRIEB BEI BUSSEN IST SAUBER“ – Prof. Dr. Ralph Pütz referiert bei den CSU-Arbeitskreisen AKU und AKE

Bildtext (von links): Prof. Dr. Ralph Pütz, Bezirksvorsitzender des AKU – Rudolf Schnur, Vorsitzender des AKE – Rudolf Freymandl

„DER DIESELANTRIEB BEI BUSSEN IST SAUBER“

Prof. Dr. Ralph Pütz referiert bei den CSU-Arbeitskreisen AKU und AKE

 

„Der Europawahlkampf ist bereits eröffnet“, so der Bezirksvorsitzende des Arbeitskreises Umweltsicherung und Landesentwicklung  (AKU) Rudolf Schnur mit seinem Kollegen und Vorsitzenden des Arbeitskreises Energiewende (AKE) Rudolf Freymandl bei einem Vorstandstreffen im Restaurant „Zum Kraxnwirt“ in Ergolding. Ganz sicher wird im laufenden Wahlkampf auch das Thema „Dieselantrieb und schmutzige Luft“ weiterhin eine große Rolle spielen. Der Wahlausgang wird auch großen Einfluss darauf haben, welche Strategie in der Mobilität in Zukunft in Europa gefahren und in wie weit der Dieselantrieb hierbei noch eine Rolle spielen wird.

Daher begrüßte Rudolf Schnur aus aktuellem Anlass den renommierten „Dieselprofessor“ Dr. Ralph Pütz zu einem Referat über den Stand der Antriebstechnik von Omnibussen vor dem Hintergrund der Novelle einer europäischen Beschaffungsrichtlinie für den ÖPNV. Ralph Pütz wies eingangs in seinem Vortrag darauf hin, dass seit rund zehn Jahren eine Beschaffungsrichtlinie in der EU bestehe, die Vorgaben für öffentliche Verkehrsbetriebe und auch für Taxiunternehmen beim Kauf neuer Fahrzeuge macht. In dieser Richtlinie standen bisher jedoch ausschließlich Wirkvorschriften mit Grenzwerten oder Beschaffungsargumente im Fokus, warum die Fahrzeuge in Bezug auf lokale und globale Emission gekauft wurden. Die Novelle dieser Richtlinie nimmt nun Abstand von einer Technologieoffenheit und Neutralität, und so bezeichnete es Pütz, gleicht eher einer Technikdiktatur in Richtung E-Mobilität. Führende Verkehrsunternehmen im deutschen Nahverkehr haben das frühzeitig erkannt und Prof. Pütz mit einer Studie beauftragt, die für Deutschland die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen analysiert. Diese Studie wurde im Herbst 2018 auch an das Büro des Fraktionsvorsitzenden der Europäischen Volkspartei im Europäischen Parlament, Manfred Weber übermittelt und dabei darauf hingewiesen, hier drohe ein von Ideologie geprägter Angriff auf die deutsche Busindustrie, die in der Folge auch den Betrieb zahlreicher Busunternehmen gefährde.

Die EU-Richtlinie in der aktuellen Form besagt, dass wenn sie dann in 2020 oder 2021 in Kraft tritt, es vorgeschrieben sei, dass nur noch 55 Prozent der pro Jahr neuzugelassenen Linienbusse einen Dieselantrieb haben dürfen, und 45 Prozent „saubere“ Fahrzeuge sein müssen. Die EU betrachtet folglich den Dieselantrieb bei Omnibussen nicht mehr als „sauber“. „Ich habe nahezu alle Typen von Euro-6-Dieselbussen emissionstechnisch im Realbetrieb vermessen und kann beurteilen, dass diese Fahrzeuge eine lokale Nahe-Null-Emission aufweisen und hoch sauber sind! Der kontinuierlich vorangetriebene Ausschluss von hochsauberen Dieselbussen ist eine Farce, deshalb erhoffe ich mir von den deutschen Europapolitikern Erfolg bei der Unterstützung der deutschen Busindustrie und der Mehrzahl der deutschen ÖPNV-Verkehrsunternehmen zur Abwehr von großem Schaden. Die Korrektur einer weitestgehend von Ideologie geprägten Richtlinie ist dringend geboten.“

Bei der von der EU-Politik propagierten Durchsetzung von Bussen des Spektrums Elektromobilität ist eine Tendenz zu erkennen, dass sogar Erdgasfahrzeuge, die mit Biogas betrieben werden, nur noch zu einem begrenzten Kontingent beschafft werden sollen, obwohl solche Fahrzeuge mittelfristig ökologisch die beste Option seien. Ab dem 1.1.2026 sollen sogar nur mehr 35 Prozent hochsaubere Dieselfahrzeuge zulässig sein, von den restlichen 65 Prozent dürfen nur noch 30 Prozent mit Biogas betriebene Busse sein, was ökologisch ein völlig falsches Signal ist.

Darüber hinaus beklagt Prof. Pütz, dass die EU-Richtlinie sich nur auf den Fahrbetrieb konzentriert und die Kraftstoffbereitstellung, die Fahrzeugproduktion und Verwertung/Entsorgung völlig ausblendet. „Es läuft hier grundsätzlich etwas schief, da bei diesem Richtlinienentwurf durch Konzentration ausschließlich auf den Fahrbetrieb eine Verzerrung der Wirklichkeit stattfindet“. Außerdem werde mit dem kritiklosen Diktat zur Elektromobilität eine Technik quasi erzwungen, die heute bezogen auf deutsche Verhältnisse nicht nur ökologisch keine Vorteile aufweist, sondern ökonomisch unbezahlbar ist und auch mittelfristig noch bleiben wird. Die deutschen Bushersteller, so Prof. Pütz, die seit Jahrzehnten rund 90 Prozent Marktanteil im deutschen ÖPNV innehaben, seien technologisch gegenüber den Wettbewerbern bei der Elektromobilität keineswegs rückständig, sondern durch ihre Zurückhaltung den Kunden gegenüber vielmehr verantwortungsbewusst. „Gut Ding will Weile haben, das gilt auch für die Migration hin zu einer Elektromobilität bei Bussen“, so Pütz.

Abschließend gibt Prof. Pütz noch einen Ausblick auf die langfristige Entwicklung der Antriebstechnik. Die lokalen Emissionen des Fahrbetriebs seien heute schon gar nicht mehr das Thema, denn die seien längst gelöst. Die Nutzfahrzeugindustrie hat mit Euro 6 bei Diesel- und Erdgasmotoren den hoch sauberen Verbrennungsmotor verwirklicht – lediglich die Pkw-Industrie müsse jetzt nachziehen, was mit Euro 6d gelinge. Das einzige, was heute noch im Fokus stehe, sei angesichts des global weiter steigenden Energiebedarfs die Reduzierung der CO2-Emissionen und die Ressourcenschonung. Das Thema wird also sein, wie bekommt man die erneuerbaren Energien Wind, Sonne, Wasserkraft und Biomasse zu den Antriebsquellen Elektromotor und Verbrennungsmotor. Dabei gibt es viele Wege, bei der neben der Batterietechnik insbesondere die Elektrolyse in Verbindung mit Wasserstoff ein zentrales Element sein wird. Ob erneuerbare Energien als Elektrizität, flüssige E-Fuels oder E-Gas genutzt werden wird, bleibe bei einer Technologieneutralität heute völlig offen und müsse auch in Bezug auf die notwendige Infrastruktur noch genauer analysiert werden. Abschließend formuliert Prof. Pütz seine klare Botschaft an die Europapolitik: „Ich erwarte eine unbedingte Rückkehr zu einer Technologieneutralität, die wieder Wirkvorschriften statt eines ideologischen Technologiediktats setzt. Und ich erwarte insbesondere von unseren Europapolitikern, dass sie Schaden von der deutschen Industrie abwenden“.

Pütz ist sich sicher, dass der hochsaubere Verbrenner weiterhin unverzichtbar sein wird, aber zunehmend elektrifiziert werden wird. „Das ist genau der Schritt, so würde ich es machen, einen hochsauberen Verbrenner mit elektrischem Antrieb einsetzen, und dann im Zeitverlauf sukzessive bei Verbesserung der Speichertechnik den Verbrennungsmotor konsequent „downsizen“, bis er nur noch als Range-Extender („Reichweitenverlängerer“) dient und irgendwann dann ganz verzichtbar wird. Das wird aber noch sehr dauern.“

 

-hjl-

 

Foto: h.j.lodermeier

 

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