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Den Advent volkstümlich vereinnahmen ist dümmlich

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Stiftspropst Schömann über Advent, Weihnachten, den Papst und seinen Abschied

Blickpunkt: Herr Stiftsprobst, Sie sind auch Dekan des Erzbischöflichen Dekanats Landshut und tragen den Titel „Monsignore“. Welcher Titel, welche Anrede ist Ihnen eigentlich am liebsten?
Stiftspropst Schömann: Grundsätzlich -Der Titel „Stiftspropst“ kommt vom lateinischen „Präpositus“, das heißt Vorsteher – in diesem Fall des Stiftskapitels zu den Heiligen Martinus und Kastulus. Generell  sind mir Anreden und Titel eigentlich egal, weil das allerdings in Landshut üblich ist, darf ich daran erinnern, dass es in der Erzdiözese München und Freising 40 Dekane und unzählige Monsignori, in Bayern jedoch nur zwei Stiftspröpste gibt. Damit erübrigt sich wohl die Frage!

Wir stehen am Beginn des Advents, der Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Aber die so genannte „staade Zeit“ ist gar nicht mehr so ruhig. Stichworte: Kitsch, Kommerz, Coca-Cola-Weihnachtstrucks und Glühwein statt Besinnung. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Die Adventszeit ist keine „staade Zeit“ sondern eine Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest, deshalb ist jegliche volkstümliche „Vereinnahmung“ dümmlich und unangemessen.

Welche Bedeutung sollte Weihnachten haben – in einer modernen, schnelllebigen Zeit? Viele
reduzieren das fest um Christi Geburt nur noch auf Geschenke.

Wer dies tut, hat nie verstanden, was das Fest der Geburt Christi eigentlich bedeutet.

Bleibt eigentlich für Sie ganz persönlich Zeit, das Weihnachtsfest auch privat zu begehen? Gerade in dieser Zeit stehen ja sehr viele Vorbereitungen und eine ganze Reihe von festlichen Gottesdiensten auf Tagesordnung eines Pfarrers.

Jeder Pfarrer weiß, dass am 24. Dezember und dass am 25. Dezember das Weihnachtsfest der Heilige Abend gefeiert wird. Darauf kann man sich und die entsprechenden Predigten vorbereiten.
Ich feiere den Heiligen Abend seit Jahren mit meinen ledigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

In diesem Jahr hat Papst Benedikt XI seine deutsche Heimat besucht. Die Erwartungen waren zuvor sehr hoch. Ihr Fazit der Papst-Visite.

Wenn die Erwartungen vor dem Besuch des  Papstes sehr hoch waren, erlaube ich mir die Frage zu stellen, was man sich eigentlich von so einem Besuch erwartet? In meinen Augen hat er einige interessante Reden und Predigten gehalten, die Anstöße waren, ohne dass er „ex cathedra“ geredet hat.

Die Stiftsbasilika St. Martin war 2011 immer wieder teilweise eingerüstet. Es wurde renoviert und
saniert. Wie ist das der Sachstand? Sind alle notwendigen Baumaßnahmen abgeschlossen?

Die Stiftsbasilika St. Martin wird auch künftig immer wieder eingerüstet werden. Ich habe in meiner früheren Pfarrei nach der konstruktiven Sanierung 1991 beim Kirchweihfest gepredigt, dass der Nachfolger von Prälat Heinrich Fischer – wenn dieser in den verdienten Ruhestand treten wird – an irgendeiner Stelle wieder mit Renovierungsarbeiten beginnen werden muss. Damals wusste ich nicht, dass dies zwei Jahre später auf mich zutreffen würde.

Vor etwa drei Jahren wurden die Pfarreien St. Martin, Heilig-Blut und St. Jodok zur „Stadtkirche“
zusammengeführt. Hat sich diese Maßnahme bewährt? Schildern Sie doch bitte ihre Erfahrungen mit „Stadtkirche.

Gerade auf dem Hintergrund der gemeinsamen Pfarrgemeinderatsklausur ist deutlich geworden, wie positiv die Zusammenarbeit zwischen den – im Augenblick – drei Pfarreien entwickelt hat. Ich glaube, dass die behutsame Umgangsweise in der Kooperation mit diesen Pfarreien sich erfolgreich entwickelt hat. Dabei ist auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern sehr hilfreich gewesen.

Herr Stiftspropst, Sie sind in diesem Herbst 65 Jahre alt geworden. Dürfen wir nach der Zukunft
fragen? Wie lange bleiben Sie St. Martin und der Stadt Landshut als Stiftspropst erhalten? Und was kommt danach?

Ich habe an meinem Geburtstag den ersten Antrag auf die Versetzung in den Ruhestand gestellt.
Unser Erzbischof, Herr Kardinal Reinhard Marx, hat mich bei der Aussendung der Gemeindereferenten und –referentinnen in St. Jodok gebeten, auch weiterhin dieses Amt auszuführen. Ich bin aber jederzeit bereit, diese Aufgabe in andere Hände zu übergeben, weil ich der Überzeugung bin, dass es wichtig ist, dass ein jüngerer Nachfolger die Entwicklung der Stadtkirche und des Verwaltungszentrums im früheren Pfarrhof von St. Jodok mitgestaltet.

Es ist dann meine Absicht, aus Landshut wegzuziehen und in irgendeiner anderen Pfarrei in der Verkündigung mitzuwirken. Ich will nach 18 oder 19 oder sonstigen Jahren für einen Nachfolger keine „Last oder Beobachter“ sein, der im Hintergrund agiert. Mein Wunsch wäre es freilich, dass mir mein Nachfolger die Genehmigung erteilt, in der Propstgruft von St. Martin beerdigt zu werden.

Das Gespräch führte Rüdiger Abel.

Dazu Kasten:

Stiftspropst Bernhard Schömann

1946 in Landshut geboren, in München aufgewachsen. Studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität, München, Theologie. Danach Diakon in St. Matthäus, München-Hasenbergl. Nach der Priesterweihe Kaplan (1974) in Freising, Bad Reichenhall und Gräfelfing. Seit 1979 schwerpunktmäßig  in der Jugendarbeit auf Diözesanebene tätig – als Geistlicher Leiter der KJG (Katholische Junge Gemeinde), Diözesanseelsorger beim BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) und Leiter des erzbischöflichen Jugendamtes in München. 1996 Pfarrer in der Pfarrei St. Georg, Taufkirchen bei München. Ausbildung zum Gemeinde- und Organisationsberater, mehrere Jahre Sprecher der Arbeitsgemeinschaft „Gemeindeberatung“ in der Erzdiözese München und Freising.

1993 Pfarrer und Stiftspropst des Kollegiatstiftes zu den Heiligen Martinus und Castulus in Landshut, 1997 1. Vorsitzender des Caritas-Verbandes Landshut. Seit Oktober 1998 Dekan des Erzbischöflichen Dekanates Landshut. Oktober 2004 wurde ihm der Titel „Monsignore“ (päpstlicher Hauskaplan, Mitglied der päpstlichen Familie) verliehen. Stiftspropst Schömann ist gewähltes Mitglied des Diözesensteuerausschusses (DISTA) der Erzdiözese München und Freising.