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„DAS GROSSE SCHWEIGEN IN DER PFLEGE“ – Hauptthema bei der 2. Landshuter Gesundheitskonferenz der AOK-Direktion Landshut — Hauptreferentin MdB a.D. Elisabeth Scharfenberg

Bildtext: Podiumsdiskussion von links: MdL Ruth Müller (SPD), Nicolas von Oppen (Klinikum Landshut), MdL Helmut Radlmeier (CSU), NdB s.D. Elisabeth Scharfenberg, Moderator Georg Soller, Dr. Marlis Flieser-Hartl (LAKUMED), Richard Kirmaier (Direktor-AOK-Landshut)

 

„DAS GROSSE SCHWEIGEN IN DER PFLEGE“ – Hauptthema bei der 2. Landshuter Gesundheitskonferenz der AOK-Direktion Landshut — Hauptreferentin MdB a.D. Elisabeth Scharfenberg

 

Nach dem obligatorischen „Come together – gesundem Frühstück“, begrüßten der Beiratsvorsitzende der AOK-Direktion und Mitglied im Verwaltungsrat der AOK-Bayern Johann Kaltenhauser, Landrat Peter Dreier,  2. Bürgermeister der Stadt Landshut Dr. Thomas Keyßner sowie der AOK-Direktor von Nah am Menschen Richard Kirmaier, „schwergewichtige Vertreter“ von diversen Gesundheitseinrichtungen, wie sie Kaltenhauser in seiner Begrüßungsansprache bezeichnete.

 

„Mit dieser regionalen Gesundheitskonferenz wollen wir Impulse setzen“, so AOK Direktor Richard Kirmaier.

 

Die AOK versteht sich nicht nur als Kostenträger, sondern sie will jedes Mitglied in der Gesundheitsfürsorge begleiten. Das Thema „Nah am Menschen“ sei besonders in Zeiten der Digitalisierung das herausragende Moment. Ganz im Vordergrund steht in dieser Betrachtung die Pflegesituation in den dazu bestimmten Einrichtungen. Dass sich die Krankenkassen ganz aus der Pflege zurückziehen stimmt so nicht, konstatierte Kirmaier.

Die 2. Landshuter Gesundheitsmesse stand dieses Jahr ganz im Focus der Missstände in der Pflege. „Eine Sache, die uns alle betrifft“, so Kaltenhauser. Jeder Zweite sei im Alter bereits von Pflege betroffen und darauf angewiesen. Landrat Dreier möchte in erster Linie das Augenmerk darauf legen, wie man die vorhandenen Träger in der Region, angefangen von der Kinderkranken- bis zur Altenpflege, zusammenführen kann. „Man muss die Finger in die Wunde legen“, um in dieser Sache etwas zu bewegen, meinte Bürgermeister Keyßner.

Die Hauptrednerin der Gesundheitskonferenz Elisabeth Scharfenberg fragt sich verwundert, wie so eine wichtige Berufsgruppe so schweigsam sein kann, wenn es um ihre eigenen Belange geht. Die fehlende Transparenz sei in erster Linie verantwortlich dafür. „Nur wenn man Fehler eingesteht, kann man diese beheben und etwas zum Besseren verändern“, fuhr Scharfenberg fort. Ein gutes Arbeitsklima schaffen und keine Angst haben Dinge zu benennen, die zu Missständen führen, sind die Voraussetzungen für eine gute Zusammenarbeit von Pflegenden und ihren Führungskräften. Gemeinsam sollte man Fehler beheben. “Es braucht Mut und Offenheit, sich der Realität zu stellen und ein konstruktives Management um ein Miteinander zu ermöglichen!”

 

In der anberaumten Podiumsdiskussion waren sich Ruth Müller (SPD), Helmut Rdlmeier (CSU), Dr Marlis Flieser-Hartl (LKUMED), Nicolas von Oppen (Klinikum Lands), Johann Kaltenhauser und Richard Kirmaier (AOK-Landshut) einig, dass Missstände im Pflegewesen unbedingt behoben werden müssen. Im Publikum anwesende Fachkräfte bemängelten, dass zu dieser Veranstaltung kein in diesem Aufgabenfeld tätige Pflegerin oder Pfleger geladen wurde.

 

Claudia Knab, Pflegedirektorin des Bezirkskrankenhauses Landshut, rief aus dem Publikum den Diskutanten zu: „Wenn wir nicht zu Wort kommen, so können wir zu diesem Thema auch nichts sagen!“

 

Nicolas von Oppen wies in diesem Zusammenhang auf den Mangel von qualifizierten Kräften hin. Die Pflegekräfte seien im Schnitt über 55 Jahre alt und es gäbe für sie viel zu wenig junge Nachfolger. „8000 von der Politik geplante Stellen sind für die vielen Pflegeeinrichtungen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, deshalb müsse der Pflegeberuf unbedingt attraktiver gestaltet werden. Diesen Beruf von Anfang an schlecht reden sollte man keinesfalls, so Dr. Marlis Flieser-Hartl. Dennoch quittiert meist eine Pflegerin oder Pfleger seinen Job nach fünf bis sieben Jahren. In erster Linie läge es daran, dass die Arbeitsverhältnisse und Arbeitsbedingungen nicht gerade förderlich für diesen Beruf seien.

Der gelernte Krankenpfleger und Betriebsratsvorsitzende des Klinikums Landshut Achim Oberndorfer, beschrieb den oft auftretenden Burn Out bei den Pflegekräften. Am Tag alleine 30 Patienten zu betreuen, verlangt einen hohen Einsatz an Tatkraft und am Tagesende macht man sich Vorwürfe und habe ein schlechtes Gewissen, was man besser hätte machen können, wenn mehr Zeit zur Verfügung gestanden hätte.

 

Helmut Radlmeier betonte in diesem Kontext, die pflegenden Angehörigen nicht zu vergessen. Es braucht für die Kurzzeitpflege dringend Kräfte, die den Angehörigen einen nicht unwesentlichen Teil der Arbeit abnehmen könnten!

 

-hjl-

 

Fotos: lodermeier