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“DAS ÄLTESTE BAIRISCH SPRICHT MAN IN ITALIEN” – Cimbern-Kuratorium Bayern e.V. feiert in Velden mit Staatsminister Sibler 50 Jahre seines Bestehens

„Das älteste Bairisch spricht man in Italien“

Cimbern-Kuratorium Bayern e.V. feiert in Velden mit Staatsminister Sibler 50 Jahre seines Bestehens

 

„Erfreulicherweise ist bundesweit ein zunehmendes Interesse am Mundartsprechen zu verzeichnen. Dies gilt auch für unseren bayerischen Dialekt und, mit ihm verbunden, für die zimbrische Sprache, dem ältesten Bairisch“, so der Vorsitzende des Kuratoriums Jakob Oßner in der Festschrift 50 Jahre Cimbern-Kuratorium Bayern e.V.. Auf Sprachinseln in Italien hat sich die älteste noch gesprochene Form des Deutschen erhalten.

 

Vor fünfzig Jahren wurde im Münchner Rathaus mit Befürwortung des damaligen Oberbürgermeisters Vogel und des Bayerischen Kultusministeriums, das Cimbern Kuratorium Bayern auch „Curatorium Cimbricum Bavarense“ genannt, gegründet. Freunde und Befürworter der Bairischen Sprache und speziell der Sprachforschung in Bayern und darüber hinaus in Deutschland, haben sich in diesem Verein mit begeisterten Laien und Fachleuten und auch mit der Bevölkerung in Regionen am Südrand der Alpen zusammengetan, deren Vorfahren aus Bayern kamen und sich vor tausend Jahren in den Bergen nördlich von Verona und Vicenza angesiedelt haben. Über Jahrhunderte konnten sich die Nachkommen dieser Siedler ihre überlieferte Sprache bewahren, die wegen ihrer germanischen Herkunft „Cimbrisch“ genannt wurde. In den Wirren des Nationalismus im 19. Jahrhunderts ging diese Sprache fast verloren. Geradezu noch rechtzeitig wieder entdeckt und erforscht, konnte sie wieder belebt werden. Große Protagonisten aus dem Landkreis Landshut dieser Bewegung, waren der Landrat Hans Geiselbrechtinger und der Angestellte des Arbeitsamtes Landshut Hugo Resch unter deren Führung diverse Kulturfahrten in die deutschen Sprachinseln der „Sieben Gemeinden“ durchgeführt und neue Kontakte geknüpft wurden.

 

Das nun fünfzigjährige Bestehen feierte der Verein am Wochenende vom 07. und 08. September in Velden an der Vils, dem Wohnort des jetzigen Vorsitzenden Jakob Oßner. Das Festprogramm war gekennzeichnet von einem Italienisch-zimbrischen Markt auf dem Veldener Schulhof. Verschiedene Köstlichkeiten aus der Region konnten verkostet werden, wie Wein, Käse, Würste und Schinken aller Art. Backwaren wurden von der Bäckerei Elsaß aus Velden angeboten. Die Besucher des Festes machten davon großen Gebrauch. Für Unterhaltung sorgten der „Veld`ner Blechhaufa“, die Goaßlschnoizer aus Hinterskirchen, die Böllerschützen (Trombini) aus Baldia Calavena, die Kindertrachtengruppe Gebensbach, der Männerchor Wurmsham, der Bürgermeisterchor des Landkreises Landshut und die Rock-Band Balt Hüttar aus Asiago.

In der Aula der Schule konnten die Mitglieder des Vereins und Besucher der Veranstaltung wissenschaftliche Vorträge mit anschließender Diskussion mit Prof. Dr. Remigius Geiser, Salzburg – Mag. Oliver Baumann, Frankfurt – Prof. DDr. Heydenreuther, München – Prof. Dr. Peter Wiesinger, Wien erleben. Moderiert wurde die Diskussionsrunde vom Sprachenwissenschaftler Dr. Reinhard Bauer.

In Begleitung der Blaskapelle „Veld`ner Blechhaufa“ und des Vorsitzenden des Vereins Jakob Oßner, begab sich der Bayerische Staatsminister Bernd Sibler in die Mehrzweckhalle der Veldener Schule, wo er und diverse Vertreter der heimischen Politik Grußworte an die von sehr zahlreichen Besuchern belegte Mehrzweckhalle richteten. Verdiente Mitglieder wurden mit einer Urkunde ausgezeichnet. Danksagungen von Jakob Oßner waren angereichert mit der Cimbernhymne und Liedern vorgetragen vom Coro Tre Torri aus Tregnago. Erwähnenswert wäre hierbei noch die zimbrische Stammessage (Abstammung und Frühgeschichte), die von dem Sprachenwissenschaftler Dr. Remigius Geiser in Cimbrisch vorgetragen wurde.

Bei einem gemeinsam eingenommenen Abendessen in der Halle gab es viel zu erzählen aus früheren Begegnungen mit den Cimbrisch sprachigen Menschen aus den Sprachinseln aus Italien. Musik, Gesang und Folklore trugen die Gruppen Pierangelo Tamiozzo, der Coro Tre Torri, und die Volkstanzgruppe aus Palai zum Besten vor. Mit der Folk-Metal-Band Balt Hüttar klang der Abend aus.

Mit Marktbetrieb, einem bayerischen Weißwurstfrühstück und einer Messe in Cimbrisch begleitet von Geistlichkeiten und Würdenträgern aus dem Landkreis Landshut, endete die Feier des 50-jährigen Bestehens des Vereins des Cimbern-Kuratoriums Bayern in Velden an der Vils.

Schirmherr und Bayerischer Staatsminister Bernd Sibler bedankte sich für die Einladung zu dem Fest des Kuratoriums und sei froh, bei diesem Fest dabei sein zu dürfen. Denn als ehemaliger Student der Germanistik, der als Fachgebiet „Ältere deutsche Literatur“ belegt hatte, ist ihm bei den vorangegangenen Beiträgen das Herz aufgegangen, wie er sagte. Es gäbe viele bairische Menschen, die die Grenzen vom Jahre 950 n. Chr. auch heute noch für gut befänden und da gehörte eben Franken noch nicht dazu (das sage er nur dann, wenn Markus Söder nicht zuhören kann). Das damalige Baiern (mit ai geschrieben) war damals in seinen Grenzen nach Süden bis an die Adria ausgerichtet und war umspannend aufgestellt, so wohl kirchlich wie auch politisch, Salzburg spielte dabei eine gewichtige Rolle.

Sibler war, wie er bemerkte, heuer in einer Zeit in Italien in Urlaub, wo es nicht so klar war, wie in Italien der europapolitische Kurs weitergehen würde. Er sei zufrieden mit dem, wie es nun gekommen sei, dass der politische Kurs in Italien wieder mehr nach Europa ausgerichtet wurde. Das Zeichen sei wieder auf ein Miteinander und nicht auf ein Gegeneinander gesetzt worden.

Sprache, Tracht und Brauchtum seien Kriterien, die bemerkenswert seien und die Menschen erst zu Menschen machen würden, das heißt auch die Muttersprache, die Sprache in der man aufwächst und in der man sich wohlfühlt. Etwas orientierungslos war der Bayerische Staatsminister, da er, wie er hier in die Mehrzweckhalle der Schule mit einem Grüß Gott einmarschiert sei, ihm als Antwort ein Hallo entgegen kam. Er glaubt, dass man gerade hier in Bayern mit einem herzlichen Grüß Gott unterwegs sein kann und zu den Wurzeln der Identität und kulturellen Prägung, basierend auf einem christlich abendländischen Weltbild und die kirchliche Soziallehre mit Subsidiarität, Solidarität und Personalität Eigenschaften seien, die uns zu Menschen machen. Ein Dankeschön sprach er noch einmal dem Kuratorium aus, sich mit diesen Dingen wie Sprache und Brauchtum wissenschaftlich auseinander zu setzen. Staatsminister Sibler erinnerte in diesem Zusammenhang an die Verleihung des Bayerischen Heimat und Mundartpreises durch den Bayerischen Minister für Finanzen und für Heimat, Albert Füracker. Für Sibler sei es wichtig, dass besonders die Mundart gepflegt wird, dass man weiterhin „schmatzn ko, wia uns da Schnobe gwachsn is“! Jeder Lehrer solle ihm gemeldet werden, der Kinder in der Schule komisch anschaut, die bairischen Dialekt sprechen. „Der Dialekt passt“, führte er aus und wies auf eine Studie hin, die klar und deutlich gemacht hat, dass Kinder die Dialekt sprechen gescheiter seien, als die anderen Kinder. Das hätte nichts mit Dialekttümelei zu tun, sondern das seien objektive und wissenschaftliche Studien. Ideal wäre es natürlich, wenn man zwischen Dialekt und Hochsprache hin und herschalten könnte. Im Namen der gesamten Bayerischen Staatregierung wünschte der Bayerische Staatsminister dem Kuratorium für die Zukunft alles Gute.

 

-hjl-

 

Grußworte überbrachten Politiker/Innen aus der Region:

 

Landrat Peter Dreier

Erster Bürgermeister Markt Velden, Ludwig Greimel

Bezirksrätin, Martina Hammerl

Dr. Dr. Hugo-Daniel Stoffella

 

Ehrungen von verdienten Mitgliedern:

Luis-Luigi Nicolussi Castellan aus Lusern/Italien – “Ich erinnere mich mit Dankbarkeit an Hans Geiselbrechtinger und Hugo Resch”

Christine Fischer (Vortsandsmitglied), Tochter von Hugo Resch

Anneliese und Sepp Mertlbauer, Kenner und Förderer der Cimbernfreundschaft

Josef Seidl, langjähriger Vorsitzender des Cimbern Kuratoriums und Stellv. Landrat, der vor kurzem seinen 80. Geburtstag feiern konnte

 

Weitere Bilder von der Veranstaltung 50 Jahre Cimbern Kuratorium Bayern e.V.:

 

Fotos: h.j.lodermeier

 

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