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Castor-Behälter – unsicher seit Anfang an

Castor-Behälter – unsicher seit Anfang an

Seit Jahren schon wird die Sicherheit der CASTOR-Behälter in Zweifel gezogen. Auch beim vergangenen Transport musste davon ausgegangen werden, dass bei einem Unfall die Gefahr besteht, dass die Behälter so beschädigt werden könnten, dass sie undicht werden.

Die transportierten CASTOR HAW 20/28 Behälter sind lediglich mit einem sog. „Primärdeckel“ verschlossen; der „Sekundärdeckel“ wird erst im Zwischenlager Gorleben aufmontiert. Im Behälter mit den hochradioaktiven Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitung befinden sich radioaktive Gase, deren Druck ca. 2 bar (etwa so hoch wie der eines Autoreifens) beträgt. Im Primärdeckel befindet sich eine zusätzliche Öffnung, über die bei der COGEMA in Frankreich Messungen im Behälter- Innenraum vorgenommen werden. Diese Öffnung stellt ein bisher überhaupt nicht betrachtetes Sicherheitsrisiko dar, wenn bei einem Unfall – so könnte der Behälter mit dem Deckel gegen die Spitze eines Felsens krachen – dieser Bereich getroffen werden würde. Die radioaktiven Gase würden durch den inneren Überdruck kurzfristig in die Atmosphäre freigesetzt werden – mit unvorstellbaren Folgen. Bekanntlich sind bislang noch keine Fallversuche mit dem Original-CASTOR-Behälter vorgenommen worden. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) schreibt hingegen diese Versuche vor, die sogar so ausgelegt sein müssen, dass sie den „größtmöglichen Schaden“ verursachen. Dabei ist ein Fallversuch aus 9 m Höhe gefordert. Bei dem Aufprall eines Behälters auf ein „unnachgiebiges Fundament“, so die IAEA-Vorschrift, beträgt die Aufprallgeschwindigkeit knapp 48 km/Stunde – weniger als die Hälfte der Geschwindigkeit, mit der die Lok des Todeszuges in Frankreich Sebastièn erfasst hat! Und auch in Deutschland raste der 600 m lange und 2300 t schwere Zug mit Höchstgeschwindigkeit auf normalen Bahngleisen durch Städte, Dörfer und belebte Bahnhöfe! Die „Zeitfenster“ zwischen den sonstigen Güter- Personen- und ICE-Zügen müssen schließlich eingehalten und Verspätungen aufgeholt werden, damit die Polizei in ihrer Abschlusspresseerklärung vermelden kann: „Somit erreichte der Transportzug unter der 24-Stunden-Grenze sein Ziel und lag in der polizeilichen Zeitplanung“.

Fallversuche mit Originalbehältern hatte bereits vor Jahren der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, für erforderlich gehalten, diese aber nie durchgesetzt. Bisher wurde – und wird – immer wieder auf „Berechnungen“ verwiesen, mit denen die „Sicherheit“ der Behälter nachgewiesen worden sein soll.

Diese Berechnungen basieren aber nicht auf gewonnenen Versuchsdaten aus Fallversuchen, weil nie abgeflachte Stoßdämpfer, wie sie bei „CASTOR-HAW-Transporten“ am Behälter angebracht sind, getestet wurden. Es handelt sich lediglich um Luftrechnungen der Betreiber und Prüfbehörden.

Solche Berechnungen werden allerdings auch noch wie ein Staatsgeheimnis behandelt, und sind für die Öffentlichkeit und kritische Wissenschaftler nicht einsehbar.Wen wundert’s, sind doch immer wieder gravierende Mängel in den mathematisch-physikalischen Ansätzen und grobe Rechenfehler bekanntgeworden. Angeblich „unabhängige“ Gutachten werden vom Behälterhersteller GNB bezahlt, und unterliegen damit deren „Sicherheits“- Kriterium, nämlich deren Einschätzung von „Firmengeheimnissen“.

Vor einigen Wochen wurde von der Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) in Berlin eine internationale Konferenz zu Atommülltransporten und deren „Sicherheit“ veranstaltet. Dabei wurde ein neues Versuchsgelände in Horstwalde bei Berlin in Betrieb genommen. Dort soll man in der Lage sein, Falltests gemäß IAEA-Vorschriften durchzuführen. So wurde den anwesenden internationalen Wissenschaftlern ein Fallversuch mit einem japanischen Transportbehälter der Firma Mitsubishi präsentiert. Außerdem wurde ein Falltest mit dem als CASTOR-Nachfolger vorgesehenen Billig-Behälter „CONSTOR“ durch- CASTOR-Behälter – unsicher seit Anfang angeführt. Diesen Versuch durften die Tagungsteilnehmer allerdings nicht „live“ verfolgen; lediglich per Video-Übertragung durften sie den 9-m-Fall ansehen. Welche Schäden am Behälter und am Stoßdämpfer möglicherweise auftraten, konnte niemand selbst begutachten. Und das, obwohl der „neue“ Behälter, anders als der CASTOR, mehr als doppelt so dick in Stoßdämpfer „eingepackt“ ist. Bei einem Behältergewicht von rund 125 t wiegt jeder seiner Kopf- und Fußstoßdämpfer mit einem Durchmesser von 3.51 m allein rund 28 t. Die Gorlebener CASTOR-HAW 20/28 Behälter hingegen sind mit erheblich kleineren „Stoßdämpfern“ fast ungeschützt. Und dabei sind diese an den Seiten jeweils so weit abgeflacht, dass zwischen der Behälterwand teilweise nur noch die Blechverkleidung vorhanden ist – sonst könnten die Behälter beim Umladen mit dem Traggeschirr des Krans an den seitlichen Tragzapfen nicht befestigt werden! Der Bodenstoßdämpfer weist nur ein Gewicht von 3.5 t auf ; das ist 1/8 des Gewichts des CONSTOR-Stoßdämpfers.

Nicht auszudenken ist, welche Folgen bei einem Zugunglück das Auftreffen dieser ungeschützten Bereiche auf ein „unnachgiebiges Fundament“, einen Felsen, einen Brückenpfeiler oder so haben könnte… Aber:Was nicht berechenbar ist, kann nicht eintreten. Niemals. Und was berechnet wurde, kann nicht falsch sein. Ein weiterer Höhepunkt der Irreführung von Öffentlichkeit und Genehmigungsbehörden ist nun darin zu sehen, dass der neue BAMVersuchsstand bei Horstwalde so angelegt wurde, dass der Behälter nicht gemäß IAEAVorschriften getestet werden kann, weil die Größe des „unnachgiebigen Fundamentes“ dafür zu klein ausgelegt ist, und nicht ausreicht, um schräg fallende CASTOR-Originalbehälter vollständig auftreffen zu lassen.

Dieter Metk