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Bürokratie-Groteske in Bayern

Bürokratie-Groteske in Bayern

Am Atemschlauch sollt ihr sie erkennen!

Betriebskrankenkassen sind – historisch betrachtet – Fabrikkassen. Große Firmen haben ihre Mitarbeiter selbst gegen Krankheiten versichert. Freilich gibt es heute immer weniger BKKs, weil die Finanzierung mit einer geringen Mitgliederzahl schwierig ist. BKKs fusionieren deshalb oft. Die BKK Audi hat das wahrscheinlich noch nicht nötig, denn dahinter steckt ein Konzern. Doch offenbar müssen die auch sparen, auch wenn es keinen Sinn macht. Dazu haben wir eine kleine Story für Sie zum Schmunzeln – und zum Ärgern. Denn leider ist die Geschichte wahr!

Der Stein des Anstoßes ist ein Schlauch. Ein beheizbarer Schlauch für ein ResMed-Atemtherapiegerät. Nebenbei eine geniale Erfindung, um die Therapietreue des Patienten zu erhalten. Kostenpunkt: 79 Euro. Patient Helmut D. hatte einen solchen Schlauch, und er half ihm. Dann passierte das Malheur. Lassen wir Helmut D. selbst berichten: “Im Winter 2014 bemerkte ich des Öfteren, dass ich in der Frühe nach dem Aufwachen und Absetzen meines CPAP-Schlauches einen rauen Hals hatte. Die Temperatur im Schlafzimmer stimmte. Außerdem nutzte ich ja einen beheizbaren Schlauch. Wieso also dieser raue Hals? Tagsüber verschwanden die Symptome. Allmählichwurde aus dem rauen Hals ein Halsweh. Als ich den Schlauch genauer inspizierte, merkte ich, dass mit den Drähten im Schlauch etwas nicht stimmte. Der Kundenservice stellte fest: Der Schlauch war hin. Nicht mehr zu reparieren.

Ohne Rezept gab es natürlich keinen neuen Schlauch.  Mein HNO-Arzt stellte mir ein Rezept für einen neuen beheizbaren Schlauch aus. Den ersten Schlauch hatte die Kasse bezahlt und damit bewiesen, dass sie den medizinischen Sinn dieses Hilfsmittels verstanden hatte. Doch der Sachverstand der BKK-Audi- Sachbearbeiter kann sich ändern. Wie das Wetter. Offenbar musste meine BKK die Verordnung intensiv prüfen. Es dauerte. Der Schlauch wurde abgelehnt. Begründung: Dies sei ein Luxusartikel. Ich bat meinen Schlafmediziner um eine Bestätigung dafür, dass dieser verflixte Schlauch kein überflüssiger Luxus, sondern meiner Therapietreue zuträglich war. Die Kasse übertrug die Prüfung dem MDK, bekannt als das Sparschwein der GKV. Und es ist kein Geheimnis, dass dort Entscheidungen selten von Ärzten gefällt werden, die sich im jeweilien Ressort auskennen. Wahrscheinlich hat ein Frauenarzt die Schlauchexpertise verfasst. Der Schlauch sei überflüssig. Ich widersprach. Jetzt wurde der Verwaltungsrat der Kasse eingeschaltet. Diese Damen und Herren traten zusammen und diskutierten mein Schlauchproblem. Wieder abgelehnt. Ich beschwerte mich beim Patientenbeauftragten der Bayerischen Landesregierung, einem gewissen Hermann Imhof, der sich mit dieser Frage wohl ausführlich im Amt beschäftigte, mit dem MDK Rücksprache hielt (das schreibt er wenigstens) und der Ablehnung zustimmte.”

Soweit Helmut D. Wie wollen wir als Staatsbürger diesen an sich banalen Vorfall bewerten? Bei der BKK-Audi haben sich viele Menschen, die in solchen Jobs gut bezahlt sind, mit dem Schlauch beschäftigt. Allein der Aufsichtsrat umfasst laut Schreiben sieben Mitglieder, zwei davon sogar promoviert. Im MDK hat sich auch ein Mensch über die Sinnhaftigkeit des beheizbaren Schlauchs den Kopf zerbrochen. Finanziert wird der MDK nebenbei von den Gesetzlichen Krankenkassen gemeinsam. Und im bayerischen Staatsministerium, Abteilung Patientenbeauftragter, hat ein MdL ebenfalls über der Eingabe gebrütet. Alle, die damit befasst waren, haben keine Ahnung, was eine Schlafapnoe ist, wozu ein solcher „Luxusschlauch“ dient und wie er zur Compliance beiträgt. Es sei denn, Politiker Imhof ist adipös und leidet auch an nächtlichen Atemaussetzern. Das weiß ich aber nicht.

Nur eines weiss ich: Die Bürokratie in unserer Republik verschwendet Milliarden. Solche Fälle wie der Schlauch des Helmut D. sind Peanuts. Ich habe mal fiktiv hochgerechnet, was die Zeitinvestititon diverser Experten uns Versicherte und den Steuerzahler gekostet hat. 763 Euro sind da wohl noch zu optimistisch angesetzt. Der Schlauch kostet 79 Euro. Wir Versicherten, wir Bürger sollten den von uns(!) bezahlten Bürokraten auf die Finger hauen, und zwar ganz gewaltig! Dieses lachhafte Schlauchabenteuer müssen wir in einer Serie sehen mit Stuttgart 21, dem Beriner Großflughafen und der Elbphilharmonie. Der Bundesrechnungshof könnte da noch eine ganze Latte weiterer Beispiele anfügen.

Übrigens: Es gibt auch intelligente Krankenkassenmanager. Einer, der der AOK angehört, lächelte fein über diese Story und meinte, mit der Schlauchgenehmigung hätte sich die Audi-Kasse eine Menge Geld gespart. Vom Renommee ganz zu schweigen.

Jedenfalls, ich werde ich mir keinen Audi kaufen, ich bleibe bei BMW. Mit solchen Winzigkeiten kann man auch einen guten Ruf ruineren. Im Lauf der Zeit.

PS 1: Der verdammte Schlauch wurde Helmut D. inzwischen von einem nahmhaften Unternehmen spendiert.

PS 2: Helmut D. ist ein armes Schwein, Frührenter, dennoch opfert er seine Zeit ehrenamtlichen karitativen Aufgaben. Mit Leidenschaft. Mit Liebe zu den Underdogs der Gesellschaft. Seine “Schlauchverhinderer”, insbesondere der so genannt Patientenbeauftragte – mit satten Diäten, Dienstwagen usw. und angeblich auch mit einem großen Herzen für Patientennöte ausgestattet –, die sollten sich allesamt in Grund und Boden schämen. Wofür bezahlen wir diese Leute eigentlich?