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Bayerischer Wirtschaftstag 2012 in Bamberg

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Bayerischer Wirtschaftstag 2012

Der bayerische Wirtschaftstag 2012 stand ganz im Zeichen der Energiewende und der Sicherung der Energieversorgung in den kommenden Jahren. Dabei wurde das Thema unter den unterschiedlichen Perspektiven der Wissenschaft, der großen Energieversorger, eines energieintensiven Industrieunternehmens und der Politik betrachtet.

In seiner Einführung gab der Präsident des Wirtschaftsbeirats Bayern, Dr. Otto Wiesheu, neben der Vorstellung der Referentin und der Referenten einen kurzen Überblick über die Energieversorgung in Bayern nach dem zweiten Weltkrieg. Demnach war die bayerische Wirtschaft zunächst geprägt vom Import von Kohle, hauptsächlich aus Nordrhein-Westfahlen. Erdöl machte später einen beispiellosen Wirtschaftsboom in Bayern möglich. Es wurden Pipelines und Raffinerien in Ingolstadt und Neustadt an der Donau gebaut. Um von den importierten fossilen Rohstoffen unabhängiger zu werden, habe man dann mit dem Bau von Atomkraftwerken begonnen. Otto Wiesheu resümierte: „Ursprünglich war die Energiegewinnung durch Kernspaltung als Brückentechnologie bis zur Nutzbarkeit der Kernfusion gedacht. Heute ist die Atomkraft eine Brückentechnologie bis erneuerbare Energien sicher, zuverlässig und flächendeckend zur Verfügung stehen.“ Aus der regionalen Perspektive betrachtete Dr. Helmuth Jungbauer, Vorsitzender des Bezirks Bamberg die Energiewende mit all ihren Herausforderungen und auch Chancen.

Prof. Dr. Ganteför, Leiter des Fachbereichs Physik an der Universität Konstanz unternahm zunächst eine kleine gedankliche Zeitreise in die Geschichte der Energieversorgung. Er unterschied mehrere Phasen, wobei Phase I die Frühgeschichte und Antike umfasste, in der lediglich Biomasse zur Energiegewinnung zur Verfügung stand.  In Phase II, die am ehesten dem europäischen Mittelalter entsprach, kam die Nutzung der Wasserkraft hinzu und in Phase III, dem Zeitalter der Industrialisierung die Nutzung von Wasserdampf. In Phase I hätten die Menschen laut Prof. Dr. Ganteför gerade das Nötigste produzieren können und als Selbstversorger gelebt. Eine größere Anhäufung von Wohlstand sei zu dieser Zeit nicht möglich gewesen, wobei die Prachtentfaltung antiker Hochkulturen beispielsweise in Ägypten, Griechenland oder Rom leider völlig außer Acht gelassen wurde. Im Europa des Mittelalters sei schließlich die Wasserkraft nicht nur zum Mahlen von Getreide genutzt worden, sondern auch, um Säge- und Hammerwerke zu betreiben. Phase II sei also geprägt gewesen von einer Blütezeit von Handwerk und Handel. In ganz Europa seien wohlhabende Städte entstanden.  Die Nutzung von Wasserdampf ab dem 18. Jahrhundert habe die Industrialisierung möglich gemacht, so Prof. Dr. Ganteför. Nach diesem Exkurs in die Geschichte erkannte der Physiker einen stark zunehmenden Energiebedarf bei stark ansteigender Weltbevölkerung als wichtige Herausforderung der Gegenwart. Der Wissenschaftler warnte eindrücklich davor, zu einer Energiegewinnung aus Biomasse zurückzukehren. Aufgrund der heute benötigten Energiemengen sei die zum Anbau von Energiepflanzen erforderliche Fläche zu groß. Diese Fläche würde dem Anbau von Nahrungsmitteln fehlen. Als Beispiel wurde eine Fläche von etwa 40 000 km² genannt, die benötigt würde, um den Energiebedarf der Bundesrepublik Deutschland zu decken. Diese Fläche entspräche einem großen Teil der Fläche Bayerns.

Auch der Vorstandsvorsitzende des EON- Konzerns, Dr. Johannes Teyssen begann seinen Vortrag mit einem kurzen Abriss der Geschichte, beschränkte sich dabei jedoch auf eine Zeitspanne von etwa 15 Jahren. Er betonte nachdrücklich, dass der Zick- Zack- Kurs aus rot- grünem Atomausstieg, dem anschließenden schwarz- gelben „Ausstieg aus dem Ausstieg“ und der erneuten Kehrtwende als Folge aus dem Atomunfall in Fukushima den Energieversorgern das Leben nicht unbedingt leichter gemacht habe. Dr. Teyssen berichtete, im Winter 2011/2012 hätten während der Kälteperiode aufgrund höherer Leistungsspitzen Schwierigkeiten bestanden, eine sichere Energieversorgung aufrecht zu erhalten. Dabei beruhigte er das Publikum, man dürfe sich Lücken in der Energieversorgung nicht als tage- oder gar wochenlangen Blackout vorstellen, sondern höchstens als Drosselung der Stromversorgung energieintensiver Industriebetriebe für maximal wenige Stunden.  Der Manager wies allerdings ebenfalls darauf hin, dass die Kälteperiode im Winter 2011/2012 relativ kurz gewesen sei,  verschwieg dabei jedoch geflissentlich, dass sie dafür umso strenger ausgefallen war. Weiter betonte Dr. Teyssen, dass der Anteil regenerativer Energien inzwischen zwar auf etwa 20 Prozent ausgebaut werden konnte, die restlichen 80 Prozent jedoch „dreckiger“ geworden seien, beispielsweise durch die verstärkte Nutzung von Braunkohle. Gaskraftwerke wurden laut Dr. Teyssen als wichtige Alternative zum Ersetzen der Nutzung von Atomenergie erachtet, jedoch würde sich der Bau neuer umweltfreundlicher Gaskraftwerke nicht rechnen. Dabei wurde verschwiegen, dass bereits bestehende Gaskraftwerke, wie z.B. in Nürnberg- Stein stillgelegt werden sollen. Ein Hauptproblem künftiger Energieversorgung mit regenerativen Energien sieht der Manager des großen Energieversorgers in den mangelnden Speichermöglichkeiten dieser Energieformen. Abschließend wurde noch mahnend erwähnt, Energieversorgung müsse auch für Geringverdiener bezahlbar bleiben. „Die Energieversorgung muss sicher und bezahlbar für alle bleiben“, so Dr. Teyssen.

Der folgende Referent, Dr. Peter-Alexander Wacker, machte nach einer kurzen Vorstellung des Unternehmens Wacker- Chemie mit den beiden deutschen Standorten und einem weiteren Werk in Tennessee, USA deutlich, dass eine sichere und preisgünstige Energieversorgung einen wichtigen Standortvorteil darstelle und auch eine kurze Drosselung der Energieversorgung oft massive Gewinnausfälle zur Folge habe. „Ich schätze Nordamerika und nicht China als künftigen Hauptkonkurrenten Europas auf dem Weltmarkt ein“, sagte Dr. Wacker, „da Nordamerika aufgrund großer Erdöl- und vor allem Erdgasvorkommen über einen ganz wesentlichen Standortvorteil verfügt.“ Auch die Standortentscheidung für Tennessee sei vor allem aufgrund der günstigeren Energiepreise zustande gekommen, so Dr. Wacker. Er betonte mit Nachdruck, der Staat müsse deutlich bessere Konditionen bei der Energieversorgung für Industriebetriebe schaffen, da man sich sonst gezwungen sehe, an günstigere Standorte auszuweichen. Die Politik müsse dies notfalls eben auch zu Lasten von Privathaushalten durchsetzen, verlangte der Unternehmer, schließlich müssten Arbeitsplätze erhalten werden.

Staatssekretärin Melanie Huml, die kurzfristig für den verhinderten Umweltminister Dr. Marcel Huber eingesprungen war, betonte, man habe in Bayern die Kernkraft schon immer nur als Übergang auf dem Weg zur Versorgung mit regenerativen Energien betrachtet. Die Energiewende sei machbar mit Lösungen „intelligenter Stromverteilungssysteme“ wie beispielsweise „Smart Grits“, wobei die Staatssekretärin es versäumte, diese technischen Möglichkeiten genauer zu erläutern und eher schwammig in ihren Ausführungen blieb. Sie sehe ein größeres Problem in der Speicherung regenerativer Energien, so Melanie Huml, Pumpspeicherwerke würden bei weitem nicht ausreichen, ein Puffersystem durch Elektroautos mittels Aufladung und bedarfsgerechter Stromentnahme sei mangels ausreichender Gesamtkapazität in absehbarer Zeit kein gangbarer Weg.

In der abschließenden Diskussion waren sich alle Referenten einig, das Hauptproblem bei der Energiewende sei die Speicherung regenerativer Energien, Pumpspeicherwerke reichten selbst dann nicht aus, wenn Fjorde in Norwegen in geeigneter Weise in das Energiekonzept mit einbezogen würden. Dr. Teyssen machte deutlich, das Wasser könne in Norwegen nur ein einziges Mal in Speicherseen gepumpt werden, da das Wasser in die Fjorde und damit ins Salzwasser flösse. Prof. Dr. Ganteför hielt eine chemische Lösung für unumgänglich, doch auch dazu wären derzeit noch riesige Batterien nötig. Als einen gravierenden Nachteil möglicher chemischer Lösungen nannte er hohe Energieverluste bei der Speicherung.

Katja Ammon