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Atomalarm um Altmaier

10.7.13 http://www.wedel-schulauer-tageblatt.de/nachrichten/norddeutschland/artikeldetail/article/1751/atommuell-alarm-um-altmaier.html

Atommüll-Alarm um Altmaier

10. Juli 2013 | 00:10 Uhr | von Kay Müller
Umweltminister im Visier: Peter Altmaier musste sich gestern vor dem Elbeforum Brunsbüttel dem Ansturm von Medienvertretern und Atomkraftgegnern stellen. Müller

BRUNSBÜTTEL. Als er sie sieht, dreht sich Peter Altmaier um. Dabei sind nur ein Handvoll Kernkraftgegner mit simulierten gelben Atommüllfässern vor das Elbeforum in Brunsbüttel gekommen, um ihrer Forderung nach sofortiger Abschaltung des Atomkraftwerkes Brokdorf lautstark Nachdruck zu verleihen – so weit man das aus fünf Kehlen gerufene “Abschalten” so nennen kann.

Der Bundesumweltminister von der CDU spricht jedenfalls erst einmal mit den wartenden Journalisten, schließlich sind von denen fast mehr in Brunsbüttel erschienen als Bürger. Sie alle wollen die Frage geklärt haben, ob in Brunsbüttel künftig Atommüll aus der britischen Wiederaufbereitungsanlage Sellafield zwischengelagert wird.

Der, der dafür letztlich mit den Kopf hinhalten muss, steht ein wenig abseits des Medienrummels. Stefan Mohrdieck ist Bürgermeister von Brunsbüttel, der Stadt, die beschlossen hat, nur den Atommüll aufzunehmen, den das örtliche Kernkraftwerk produziert hat[K1] – eine “etwas egoistische Forderung”, wie der Bürgermeister zugibt. “Ich will von Peter Altmaier wissen, welche Standorte für Zwischenlager er noch im Sinn hat.”

In der folgenden Diskussionsrunde, die der örtliche CDU-Landtagsabgeordnete Jens Magnussen forsch Bürgerforum nennt, bekommt Mohrdieck keine Antworten darauf – oder zumindest keine, die ihm gefallen: “Es wäre unehrlich, Ihnen nicht zu sagen, dass Brunsbüttel wegen seiner Lage und seiner Beschaffenheit gute Voraussetzungen aufweist und deswegen in der engeren Wahl ist”, sagt Altmaier. Zwar würden alle 13 in Frage kommenden Zwischenlager geprüft, aber Mohrdieck, der zuvor eher entspannt auf dem Podium gesessen hat, faltet bei diesem Satz die Hände.

Peter Altmaier beginnt zu schwitzen – allerdings weniger wegen des Themas, sondern mehr wegen der sommerlichen Temperaturen im Elbeforum – einem Kulturbau, den die Stadt Brunsbüttel sich nur wegen der durch das Kraftwerk sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen leisten konnte. Altmaier ist gut aufgelegt, pariert Vorwürfe, versucht tatsächlich mit den 50 Bürgern ein Gespräch zu führen.

Die Probleme werden schnell deutlich. Schließlich hat Brunsbüttel zurzeit formal kein sicheres Zwischenlager. Seit das Oberverwaltungsgericht in Schleswig einem Anwohner und seiner Frau, die ebenfalls im Saal sitzt, Recht gab, dass das Lager nicht ausreichend gegen Flugzeug-Abstürze gesichert ist. Paradoxerweise bietet dieses unsichere Lager eine Chance für Brunsbüttel. Zumindest glaubt Stefan Mohrdieck, dass es schwerer werden könnte, neuen Atommüll dort einzulagern.

Das größte Problem bleibt Betreiber Vattenfall. Dessen Generalbevollmächtigter für Hamburg und Norddeutschland, Pieter Wasmuth, sitzt auch im Saal, sagt aber erstmal nichts. Er wolle abwarten, wie die Begründung des Urteils ausfalle und auf welche Zwischenlager sich Politik und Bundesamt für Strahlenschutz festlege. Letztlich muss Vattenfall einen Antrag stellen, wenn der Atommüll aus Sellafield nicht wie geplant ins genehmigte Zwischenlager nach Gorleben soll. Das haben die Ministerpräsidenten der Länder und Altmaier aber bereits im Endlagersuchgesetz ausgeschlossen. Einen solchen Antrag wird Vattenfall sich teuer bezahlen lassen[K2] . Es gehe auch um Geld, sagt Wasmuth. Und: “Es gibt Schwierigkeiten, etwa den Konflikt zwischen einer Einlagerung von Castoren und dem gleichzeitigen Rückbau.”

Altmaier hält all das für lösbar. “Wir sind in einem guten Gespräch mit den Betreibern. Ich halte es auch daher für möglich, dass wir bis Ende des Jahres drei potenzielle Zwischenlager haben werden.” Falls Brunsbüttel dabei sei, werde er wieder kommen, sagt der Minister. Eile ist geboten, denn wenn der Atommüll länger als bis 2015 in Sellafield bleibt, würden Strafen im zweistelligen Millionenbereich fällig. Gut möglich, dass Altmaier also bald wieder in Dithmarschen zu Gast ist.