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AKW Gundremmingen drosselte seine Leistung um 70 Prozent

Prof. Burger vom Freiburger Fraunhofer Institut deckte in seinen energy charts auf

Am 6. Juni hat das AKW Gundremmingen die Leistung in seinem verbliebenen Block C um 70 Prozent auf 370,5 MW gesenkt. RWE hat hierfür auf Twitter-Frage von Prof. Burger vom Freiburger Fraunhofer Institut nur eine nebulöse Erklärung gegeben. Rätselhaft ist auch, wieso aber sonst an den Tagen mit negativen Preisen an der Strombörse die Stromerzeugung nicht gedrosselt wird.

https://energy-charts.info/charts/power/chart.htm?l=de&c=DE&week=22&source=nuclear_unit

Dass der Block C, Deutschlands letzter Siedewasserreaktor, im einst größten deutschen AKW innerhalb von fünf Stunden von 1.256 Megawatt (MW, 1.256.000 kW) auf 370,5 MW gedrosselt wurde, war ungewöhnlich. Dies wurde jetzt bekannt, als mit wie immer einigen Tagen planmäßiger Verzögerung die Leistungszahlen der AKW der Öffentlichkeit bekannt gegeben und in den energy charts von Prof. Burger vom Freiburger Fraunhofer Institut veröffentlicht wurden. Das Wiederhochfahren der Leistung erfolgte über 63 Stunden, am schnellsten in den ersten 3 Stunden.

Auf die bei Twitter an RWE von dem Wissenschaftler gestellte Frage nach den Gründen, antwortete RWE nebulös: 

„Am 6. Juni wurde Block C des Kraftwerkes Gundremmingen im Rahmen einer geplanten Lastabsenkung in der Leistung auf rund 35 Prozent gedrosselt, um unter Einhaltung der Arbeitssicherheit regelmäßig durchzuführende wiederkehrende Prüfungen vorzunehmen. Hierbei wurden routinemäßige Überprüfungen im Turbinenbereich und Anpassungen für eine optimale Brennstoffausnutzung in der II. Hälfte des Betriebszyklus vorgenommen. Die Lastabsenkung wurde vorab auf der Transparenzseite der europäischen Strombörse EEX angekündigt.“

Schon die Zahl stimmt nicht. In Wirklichkeit ging es runter auf 29,5 %. Und es bleibt entgegen jahrelanger Transparenzversprechen von RWE intransparent: Was wurde im Turbinenbereich überprüft und was ist das Ergebnis? Was soll man sich insbesondere unter „Anpassungen für eine optimale Brennstoffausnutzung“ vorstellen? Warum hat man dies nicht mit einer Presseerklärung auch in Schwaben bekannt gemacht? So drängt sich der Verdacht auf, dass wiedermal was verheimlicht wird. Denn das AKW hat nur noch wenige Betriebsmonate. Ende 2021 verliert es seine Betriebsgenehmigung. Betriebserfahrene sagen, dass dann Anlagen allen Beteuerungen der Verantwortlichen zum trotz „auf Verschleiß gefahren werden“. 

Merkwürdig auch, dass in diesem Jahr an Tagen, an denen wegen Stromüberangebots die Preise an der Strombörse unter null fallen, so dass man mit dem Drosseln des AKW-Betriebs sogar Geld verdienen könnte, die Anlage mit Volllast weiterlief. So mussten wir beispielsweise Ostermontag und Pfingstsamstag bei niedriger Stromnachfrage beobachten, dass das AKW Gundremmingen seine Leistung nicht drosselte, auch deswegen ein Stromüberangebot an der Strombörse die Preise unter null sinken ließ und darum umweltschonende PV- und Windkraft abgeregelt wurden.

Raimund Kamm  (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm

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