AllgemeinDaten & FaktenGesundheit & MedizinPopulärPortraitSicherheitSozialesTechnikUmwelt & EnergieVerkehrWirtschaft und Unternehmen

Politik lässt Klimaschutzpotenzial von Biogas und E-Fuels ungenutzt

PM
DVGW und Zukunft Gas fordern Chancengleichheit und Technologieoffenheit

• Verbände kritisieren Stagnation beim Klimaschutz im Verkehrssek-
tor und plädieren für regulatorische Gleichstellung klimaneutraler gasförmiger Kraftstoffe
• Durch Well-to-Wheel-Betrachtung können grüne Gase wie Biome-
than und klimaneutraler Wasserstoff ihr Klimaschutzpotenzial aus-spielen
• Kehler: „Nur wenn wir die Emissionen nicht bloß am Auspuff messen, erhalten wir ein wahrheitsgetreues Abbild der Realität in Sachen Kli-maschutz.“
• Prof. Dr. Linke: „Grüne Verbrenner können einen erheblichen Beitrag zum Erreichen der nationalen und europäischen Klimaziele im Verkehrssektor leisten. Sie müssen jetzt eine Chance bekommen.“

Berlin, 2. März 2021.
Mit einem Ausstoß von knapp 166 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten bleibt der Verkehrssektor das Sorgenkind der Energiewende. Bei der Emissionsminderung tritt der Mobilitätssektor seit 1990 nahezu auf der Stelle. Gas-Technologien könnten bereits heute dazu beitragen, nicht nur CO2-, sondern auch Schadstoff- und Lärmemissionen zu reduzieren. Damit Gasantriebe ihr Potenzial auf Deutschlands und Europas Straßen entfalten können, bedarf es eines angemessenen regulatorischen Rahmens. Das betonen die Brancheninitiative Zukunft Gas und der Deutsche Verein das Gas- und Wasserfaches (DVGW) anlässlich des Symposiums Zukunft Gas-Mobilität und fordern eine Berücksichti-gung gasförmiger Energieträger in der europäischen Erneuerbare-Energien Richtlinie RED II.
Obwohl sich Gasantriebe schon heute als praxistaugliche und reichweitenstarke Alternative bewähren, fehlt es noch immer an den regulatorischen Anreizen. So wird Biogas, mit dem Fahrzeughalter schon heute nahezu klimaneutral unterwegs sind, von der Europäischen Kommission in ihrer Renewable Energy Directive (RED II) nicht anerkannt. Während bei Elektrofahrzeugen generell ein CO2-Emissionswert von Null zugrunde gelegt wird, werden Antriebsalternativen wie Gasfahrzeuge im Rahmen der gegenwärtigen Methodik vernachlässigt.
„Wenn wir Klimaschutz nicht nur auf dem Papier, sondern auch auf der Straße errei-chen wollen, dann führt an einer ‚Well-to-Wheel‘-Betrachtung kein Weg vorbei“, er-läutert Dr. Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Gas. „Wir dürfen die entstehenden Emissionen nicht nur am Auspuff messen, sondern müssen die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick nehmen. Nur durch eine solche Bilanz ergibt sich ein wahrheitsgetreues Abbild der Realität in Sachen Klimaschutz.“ Auch die aktuellen Gesetzgebungspläne, die Anrechenbarkeit erdgasbasierter Kraftstoffe auf die Treib-hausgas-Quote abzuschaffen, sei ein falscher Schritt, so Kehler. „Dadurch wird die Chance vertan, kurz- und mittelfristige Treibhausgas-Minderungen durch einen Zu-wachs von CNG- und LNG-Antrieben im Verkehrssektor zu erzielen.“
Besonders im Bereich des Schwerlastverkehrs könnte dadurch enormes Klimaschutz-potenzial gehoben werden. Insbesondere bei Logistikern sind Gasfahrzeuge zuneh-mend beliebt, wie Zahlen des Kraftfahrt-Bundeamtes zeigen. So wurden im Jahr 2020 etwa 90 Prozent mehr mit Gas betriebene Zugmaschinen zugelassen als noch im Vor-jahr. Auch die Nachfrage bei den Gas-LKW über 12 Tonnen wuchs im vergangenen Jahr gegenüber 2019 um mehr als 50 Prozent. Neben den niedrigeren CO2- und Schadstoffemissionen weisen Gas-LKW gegenüber ihren Dieselpendants 50 Prozent geringere Lärmemissionen auf. Damit eignen sich die Fahrzeuge auch für nächtliche innerstädtische Warenlieferungen. Dank Biogas, das mittlerweile an jeder zweiten deutschen Erdgas-Tankstelle verfügbar ist, können diese sogar nahezu klimaneutral erfolgen.
Prof. Dr. Linke betont: „Mit Biomethan und wasserstoffbasierten synthetischen Kraft-stoffen sind Quick Wins beim Klimaschutz im Schwerlastverkehr zu erzielen. Gerade auf Langstrecken, die kaum elektrifiziert werden können, sind sie eine ideale Ergän-zung zu mit Strom betriebenen Brennstoffzellen und Elektrofahrzeugen.“ Studien be-legen ein beträchtliches Mengenpotenzial nachhaltigen Biomethans in Deutschland – mehr als 100 Terawattstunden pro Jahr. Damit könnten zwölf Millionen Mittelklasse-autos betrieben werden. „Bislang aber fehlen der politische Wille und wirksame An-reizsysteme, dieses Potenzial für den Verkehrssektor zu heben. Flotten- und Infra-strukturbetreiber benötigen jetzt rechtliche Rahmenbedingungen wie Marktan-reizprogramme und gesetzlich verankerte Zielvorgaben, damit klimaneutrale Gasan-triebe auf die Schnellspur gelangen.“
Vor wenigen Tagen kritisierten über 60 Wissenschaftler in einem offenen Brief an die Bundesregierung eine einseitige Konzentration auf E-Mobilität kritisiert und forder-ten mehr Technologieoffenheit. Dieses Anliegen unterstützt auch Zukunft Gas-Vor-stand Kehler: „Das Klimaschutzpotenzial sollte genutzt werden, das Fahrzeuge bie-ten, die mit grünen Gasen wie Biogas und synthetisch erzeugtem Erdgas, also soge-nannten E-Fuels, fahren.“ In ihrem Brief fordern die Wissenschaftler eine sachge-rechte Diskussion; DVGW und Zukunft Gas wollen diese Diskussion konstruktiv be-gleiten.

Bild: Zukunft Gas

Über Zukunft Gas e. V.
Zukunft Gas ist die Initiative der deutschen Gaswirtschaft. Sie vertritt die Marke und das Produkt Erdgas gegenüber Öffentlichkeit, Politik und Verbrauchern. Gemeinsam mit ihren Mitgliedern setzt sich die Initi-ative dafür ein, dass die Potenziale des Energieträgers sowie der bestehenden Gasinfrastruktur genutzt werden und informiert über die Chancen und Möglichkeiten, die Erdgas und grüne Gase wie Wasserstoff und Biogas für unsere Gesellschaft bieten. Getragen wird die Initiative von führenden Unternehmen der Gaswirtschaft. Branchenverbände und die Heizgeräteindustrie unterstützen Zukunft Gas als Partner.


Über den Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.
Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW)fördert das Gas- und Wasserfach mit den Schwerpunkten Sicherheit, Hygiene und Umweltschutz. Mit seinen über 13.600 Mitgliedern erarbeitet der DVGW die allgemein anerkannten Regeln der Technik für Gas und Wasser. Klimaneutrale Gase und insbe-sondere der Zukunftsenergieträger Wasserstoff sind in der Arbeit des DVGW von besonderer Bedeutung. Der Verein initiiert und fördert Forschungsvorhaben und schult zum gesamten Themenspektrum des Gas- und Wasserfaches. Darüber hinaus unterhält er ein Prüf- und Zertifizierungswesen für Produkte, Perso-nen sowie Unternehmen. Die technischen Regeln des DVGW bilden das Fundament für die technische Selbstverwaltung und Eigenverantwortung der Gas- und Wasserwirtschaft in Deutschland. Sie sind der Garant für eine sichere Gas- und Wasserversorgung auf international höchstem Standard. Der gemeinnüt-zige Verein wurde 1859 in Frankfurt am Main gegründet. Der DVGW ist wirtschaftlich unabhängig und politisch neutral.

Mehr anzeigen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
Consent Management mit Real Cookie Banner