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Atomreaktorunfälle sind bei uns immer noch möglich

Informationen der Ulmer Ärzteinitiative vom 21.03.2021
Update der IPPNW-Empfehlung zur Jodblockade

Der Ausstieg aus der Atomenergie ist in Deutschland beschlossen – Ende 2022 gehen bei uns die letzten Atomreaktoren vom Netz. Deshalb schwindet das Bewusstsein darüber, dass sich bei uns immer noch schwerwiegende Atomreakturunfälle ereignen können. Nahe Ulm läuft z.B. bei Gundremmingen ein veralteteter und unfallträchtiger Atom-Siedwasserreaktors immer noch 286 Tage in Volllast. Jeder Tag davon ist ein Tag, an dem bei eine Störfall in großen Mengen radioaktive Partikel freigesetzt und in der Luft verbreitet werden kann. Ausserdem haben wir in naher europäischer Nachbarschaft einige Atomreaktoren, die noch weit darüber hinaus viele Jahre betrieben werden sollen und auch diese Anlagen werden immer älter und unfallträchtiger und gefährden bei Reaktorunfällen weite Regionen auch in Deutschland.

Die Ulmer Ärzteinitiative / IPPNW hat deshalb in enger Zusammenarbeit mit der Aachener IPPNW-Regionalgruppe die bestehende IPPNW-Empfehlung bei Atomreaktorunfällen zum Schutz der Schilddrüse mit speziellen Jod-Tabletten (Jodblockade) aktualisiert und bei diesem Update insbesondere den Schutz von Schwangeren, Stillenden, Früh- und Neugeborenen überarbeitet. Diese Personengruppe ist in Bezug auf Schilddrüsenstörungen besonders empfindlich. Diese Menschen sollten bevorzugt und rechtzeitig evakuiert und in nicht strahlenbelastete Regionen gebracht werden. Es bleibt zu befürchten, dass dies aus organistorischen Zwängen heraus nicht sachgerecht und zeitnah sicher gestellt weden kann.

Dabei darf auch nicht vergessen werden, dass auch die Jodblockade selbst bei korrekter und zeitnaher Anwendung nur eine begrenzte Wirkung hat, denn das bei einer Jodblockade in hoher Dosierung eingenommene radioaktiv unbelastete Jod schützt nur die Schilddrüse und einzig und allein vor Schilddrüsenkrebs und anderen Schilddrüsenerkrankungen. Eine Jodblockade kann nicht vor allen anderen Strahlenschäden schützen. Es gibt keine allumfassende “Strahlenschutztablette”. Um sich wirklich wirksam vor atomaren Gefahren zu schützen, müssen nicht nur bei uns, sondern europaweit und weltweit alle Atomreaktoren abgeschaltet werden. Dafür setzen wir uns als Ärzteorganisation IPPNW ein.

Hier zum aktualisierten IPPNW-Update-2021 der Jodblockade: > https://ippnw-ulm.de/wp-content/uploads/2021/03/IPPNW-Empfehlungen_Jodblockade.pdf

Hier zu den wissenenschaftlichen Hintergründen der IPPNW-Empfehlung: > https://www.ippnw.de/atomenergie/sicherheit/artikel/de/ippnw-empfehlung-bei-atomreaktorunfae.html

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Reinhold Thiel
Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW
www.ippnw-ulm.de
Mail: info@ippnw-ulm.de
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