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AKW Gundremmingen: Spitzenreiter bei der Freisetzung von Radioaktivität

Medienmitteilung 4. Januar 2021

Deutschlands letzter Siedewasserreaktor hat im

Jahr 2020 deutlich weniger Strom produziert

Ist aber „Spitzenreiter“ bei der Freisetzung von Radioaktivität

Mit 9,1 Milliarden Kilowattstunden hat der letzte in Gundremmingen noch laufende Reaktor, der Block C, weniger Strom als in früheren Jahren produziert. Ursache waren mehrere Abschaltungen in Folge von Schäden im Reaktor. In keinem anderen Reaktor in Deutschland sind so viele Spaltelemente undicht geworden wie im Gundremminger Block C. Zugleich leitet das AKW Gundremmingen von allen deutschen AKW die meiste Radioaktivität in die Umwelt.

Unsere Auswertung von Daten des Industrievereins VGB PowerTech ergab, dass Deutschlands letzter Siedewasserreaktor, der Block C in Gundremmingen, im Jahr 2020 rund 10 Prozent weniger Strom erzeugt hat als im Jahr 2019. Ursache hierfür waren unfreiwillige Abschaltungen. Als Grund wurden Schäden an Spaltelementen in dem abgenutzten AKW angegeben. Obwohl in keinem anderen AKW in Deutschland so viele Undichtigkeiten bei Spaltelementen auftraten wie in Gundremmingen, wurden bis heute weder vom AKW Betreiber RWE noch von der Atomaufsicht im Bayerischen Umweltministerium die Ursachen für diese Schäden mitgeteilt. Auch aus diesem Grund muss man an der Unabhängigkeit und Professionalität der verantwortlichen Atomaufsicht in Bayern und dem hierfür verantwortlichen Minister zweifeln.

Dank der Abschalttage wurde weniger Strahlenmüll erzeugt

An jedem Produktionstag des Reaktors werden rund 70 Kilogramm hochradioaktiver Atommüll erzeugt. Dabei explodiert durch die Kernspaltung des Urans die Radioaktivität um etwa den Faktor Zehnmilliarden. Am Ende eines AKW-Produktionstages ist somit Atommüll mit einer Radioaktivität von rund 1,7 x 1018 Becquerel produziert worden. Diese Radioaktivität kann man sich schwer vorstellen. Es braucht dann über eine Million Jahre bis die Radioaktivität wieder auf das Niveau von Uran abgeklungen ist.

Auch insofern ist jeder Tag, an dem der Reaktor nicht läuft und kein Atommüll erzeugt, ein Segen!

Das AKW Gundremmingen setzt mit Abstand die meiste Radioaktivität von allen deutschen Kernkraftwerken frei

Aus dem im April 2020 vom Bundestag veröffentlichten Ministeriumsbericht „Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung im Jahr 2017“ geht hervor, dass das AKW Gundremmingen am meisten Radioaktivität von allen deutschen Kernkraftwerken freisetzt. Allerdings sind die aktuellsten Daten des Ministeriums von 2017. Da im Jahr 2020 der Ende 2017 abgeschaltete Block B keine neue Radioaktivität mehr erzeugt und Block C wegen der wochenlangen Abschaltungen im Jahr 2020 auch etwa ein Zehntel weniger Radioaktivität produziert hat, könnte im Jahr 2020 die radioaktive Belastung der Umwelt abgenommen haben.

Im Jahr 2021 wird das AKW abgeschaltet werden – jeder Tag früher verringert die Gefahren, die Strahlung und die Atommüllproduktion

Ende 2021 erlischt die Betriebsgenehmigung für den Block C. Für die Stromversorgung ist der Atomreaktor nicht mehr wichtig. Die in Irsching bei Ingolstadt installierten und meistens stillstehenden Erdgaskraftwerke haben zusammen eine höhere Kapazität als das AKW Gundremmingen. Aber auch Erdgaskraftwerke sind klimaschädlich. Deswegen müssen auch in Bayern die Solarenergie und die Windkraft schwungvoll ausgebaut werden. Zusammen mit den anderen Erneuerbaren Energie Kraftwerken Bioenergie, Geothermie und der Wasserkraft sowie mit dem Ausbau des Stromverbundes und der Speicher können sie Bayern zu 100 Prozent mit Strom versorgen.

In den 60 Jahren, in denen Atomkraftwerke in Deutschland wie auch weltweit laufen, ist keine sichere Atommüllbeseitigung entwickelt worden. Dennoch weiter diesen Todesmüll zu produzieren, ist ein Verbrechen an unseren Nachkommen! Dass auch noch die Energiewende in Deutschland massiv behindert wird, obwohl gerade Solar und Wind aus neuen Großanlagen den Strom schon für 4 bis 5,5 Cent je Kilowattstunde liefern können, ist ein Versagen der in Berlin und München Regierenden.

Raimund Kamm  (Vorstand)

FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager

und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.

Augsburg – Dillingen – Günzburg – Heidenheim – Ulm

www.atommuell-lager.de

www.facebook.com/pages/FORUM-gemeinsam-gegen-das-Zwischenlager-eV/152276034836072

Unsere Bürgerinitiative FORUM drückt mit ihrem langen Vereinsnamen aus, dass wir sowohl gegen die gefährliche Atommüll-Lagerung wie –Erzeugung kämpfen. Und für eine verantwortbare Energiepolitik eintreten.

Hier verfolgt das FORUM die 3 x E Strategie: 1. Energie sparen  2. Energieeffizienz steigern  3. Erneuerbare Energien so ausbauen, dass sie uns bis etwa 2035 zu annähernd 100 Prozent versorgen! Bioenergie, Geothermie, Licht, Wasser- und Windkraft, …

Im März 2000 bildete sich beim Bekanntwerden der Gundremminger Zwischenlagerpläne das FORUM. Schon vorher arbeitete die BI ‚Energiewende atomkraftfreies Schwaben e.V‘ (EWaS). Beide Gruppen schlossen sich bald zusammen. Zwei Jahre später formierten wir uns als eingetragener und gemeinnütziger Verein. Im Sommer 2018 ist unsere Bürgerinitiative mit gut 800 Mitgliedern, darunter sechs Kommunen in Baden-Württemberg und Bayern, sogar die größte Energie-BI Süddeutschlands und eine der mitgliederstärksten deutschen AntiAtom-Gruppen.

Im November 2008 wies das Bundesverfassungsgericht unsere zwei Jahre zuvor eingereichte Verfassungsbeschwerde zurück. Wir beklagen, dass die Atommüll-Lagerung in Gundremmingen mangels ausreichendem Schutz gerade vor Terroranschlägen gegen unsere in der Verfassung verbrieften Rechte auf Gesundheit und Leben verstößt und mangels Endlager den im Artikel 20a uns auferlegten Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen verletzt. Bisher haben die deutschen Gerichte die Verletzung dieser fundamentalen Rechte nicht erkannt.

Wir sind überzeugt: Gerade bei Berücksichtigung des „Kalkar-Urteils“ vom 8. August 1978 des Bundesverfassungsgerichts, in dem steht, dass die Nutzung der Kernenergie nur derzeit noch verfassungskonform ist, weil alle Gefährdungen hypothetisch seien, muss man angesichts der späteren Erfahrungen von Harrisburg (1979), Tschernobyl (1986), New York (2001) und Fukushima (2011) erkennen, dass die Nutzung der Atomkraft bei einem nicht auszuschließenden Großunfall oder Terroranschlag viele Leben und sogar die Existenz unseres Landes gefährdet und so gegen unsere Grundrechte verstößt und verfassungswidrig ist!

Nach § 17 des Atomgesetzes ist eine Widerrufung der Betriebsgenehmigung geboten.

 

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